Bau und Einrichtung eines Holzterrariums für Kornnattern

Für die Schlangenhaltung bieten sich unterschiedliche Terrarienformen an. Wir haben uns aus verschiedenen Gründen für ein Holzterrarium entschieden: Es lässt sich leicht selbst bauen, der Anschaffungspreis ist geringer als bei einem Glasterrarium, es lässt sich gut dämmen, ist so energieeffizient und man kann den Innenraum phanatsievoll gestalten.

Jede Schlangenart hat unterschiedliche Ansprüche an ein Habitat, was beim Bau unbedingt beachtet werden sollte. Für unsere Kornnattern sollte es ein Terrarium mit den Maßen (HxBxT) 120x120x70 cm sein, wobei in der Höhe 20cm für den Lichtkasten verloren gehen, und mit Kletterrückwand. Die genauen Abmessungen sind in der Zeichnung zu sehen.

Den Holzkorpus (aus OSB-PLatten) baute Sven in Eigenregie mit seinem Vater und einem Freund, der die Elektrik installierte. Die Türen sind aus 4mm starkem Glas.

 

Vorweg:
Wichtig beim Eigenbau ist auf saubere Verarbeitung  zu achten, damit keine Spalten und Ritzen entstehen, durch die die Schlangen später flüchten könnten, denn Schlangen sind Ausbruchskünstler.

Ebenso muss die Beleuchtung schlangensicher unterbracht werden, damit die Tiere sich nicht verbrennen können. Dafür haben wir starkes Fliegengitter aus Draht verwendet.

Lüftung ist unerlässlich,  damit weder Stauwärme noch -nässe entsteht. Man muss aber darauf achten, dass kein Durchzug entsteht, weil auch Schlangen sich erkälten können. Um das zu testen kann man eine Kerze ins Terra stellen. Die Flamme sollte nicht flackern. Wir haben wahrscheinlich *noch* zuviel Lüftung, aber die werden wir noch abkleben. Dazu haben wir am Boden einen breiten Lüftungsschlitz und im Lichtkasten. Dort haben wir mit dem Steckdosenbohrer sechs Öffnungen gebohrt. Durch die Lüftung oben und unten kann die warme Luft gut zirkulieren.



Beleuchtung und Temperatur:
Ein Lichtkasten hat Vor- und Nachteile. Zum einen ist er ein ziemlicher Brocken und schränkt damit das Raumangebot ein. Zum anderen aber bietet er den Tieren Schutz vor Hitze und Verbrennungen und der Halter kann dort ungestört einige Teile der Elektrik verstecken.

In unserem Lichtkasten befinden sich zwei 60cm lange Neonröhren, die sich gegenüber angebracht sind (diese machen nur Licht - keine Wärme). Dazwischen baumeln drei Baustellenfassunge mit einer Energiesparlampe für Licht, einem 80° Strahler mit 60W fpr Spotwärme und in der Mitte ein roter Strahler, der nur nachts angeht, damit man bei geringer Beleuchtung die Tiere weiterhin beobachten kann. Alle Lampen werden über eigene Zeitschaltuhren gesteuert, die in Steckerleisten stecken. Da dies alles im Lichtkasten verschwindet verlassen das Terra an dieser Stelle nur zwei Kabel.

Beheizt wird das Terrarium über den einen Spot und eine 15W-Heizmatte, die am Boden unter einer dünnen Schicht Substrat liegt und von einem Thermocontrol gesteuert wird.

 

Rückwandgestaltung:
Nachdem der Korpus bei uns angeliefert wurde konnte der Innenausbau endlich losgehen. Wir hatten uns für eine Rückwand und Seitenteile aus Styropor entschieden. Dieser hat den Vorteil, dass er leicht zu beschaffen und zu verarbeiten ist. Später würde dadurch das Terrarium hervorragend gedämmt werden. Nachteil hierbei ist, dass man sehr genau planen muss, denn einmal eingeklebtes Styropor lässt sich nicht mehr so einfach entfernen. So mussten wir den Innenraum im Vorfeld genau planen. Dabei muss beachtet werden, wo später Sonnenplätze entstehen sollen, dass keine unerreichbaren Verstecke geschaffen werden oder wo Deko und Pflanzen angebracht werden sollen.

Für den Bau der Rückwand braucht man Styroporplatten in 5cm und 4cm Stärke, Styroporkleber, Bauschaum und ein gutes Cuttermesser. An letzterem sollte man wirklich nicht sparen - man wird viele Stunden damit arbeiten müssen!

Rück- und Seitenwände werden im ersten Arbeitsschritt mit  5cm dickem Styropor beklebt. Man benötigt diese Dicke, um mit dem Cuttermesser Struktur herausschneiden zu können. Zuerst haben wir das Styropor trocken angepasst, dann die geschnittenen Platten nummeriert, wieder herausgenommen, mit Kleber bestrichen und wieder hinein gepuzzelt. Alles gut festdrücken und mindestens 2 Stunden trocknen lassen.

Als nächstes kann man alles vorzeichnen, was man aufkleben möchte. Das ist sinnvoll, weil man so gucken kann, ob man alles harmonisch angeordnet hat bevor man es aufklebt. Auf dem Styropor kann man mit Edding nach Herzenslust herummalen - sieht man später eh nicht.

Was nun folgt ist eine riesen Sauerei. Wir haben die Felsvorsprünge mit dem Cuttermesser geschnitzt. Andere brennen sie mit heissem Draht oder dem Heissluftfön, aber das halte ich für unangebracht. Styropor verbrennt mit giftigen Dämpfen und geschmolzen macht es auch Probleme.
So haben wir alle Einzelteile ausgeschnitzt und dabei entstehen viele statisch aufgeladene Teilchen. Daher kann ich nur empfehlen diese Aktion an einem Wochenende zu machen, sodass man es in einem Rutsch durchziehen kann, denn das Aufräumen der Styroporteile ist sehr aufwendig und man freut sich, wenn man das nur einmal machen muss.

Kleinere Felsvorsprünge haben wir mit Zahnstochern, größere mit Stücken vom Riffelstab verstärkt und eingeklebt. Das ganze muss dann wieder trocknen. Letzte Lücken haben wir mit Silikon ausgespritzt und glatt gestrichen. Zur endgültigen Stabilität werden die größeren Felsvorsprünge mit einfachem Zweikomponenten-Bauschaum unterspritzt, den man nach dem Trocknen auch noch mit dem Cutter modellieren kann.

Nach kleineren Endkorrekturen und dem Unterspritzen ist dieser Bauabschnitt abgeschlossen und die Rückwand fertig, um mit Fliesenkleber versiegelt zu werden.

 

Fliesenkleber und Farbe:
Mit flexiblem Fliesenkleber aus dem Baummarkt lässt sich die Rückwand hervorragend versiegeln und gestalten. Reichlich anrühren, am besten mit einem Aufsatz für die Bohrmaschine bis der Kleber die Konsistenz von zähem Brei hat. Das ganze haben wir mit den Händen (doppelte Gummihandschuhe) aufgetragen. Die erste Schicht deckt noch nicht völlig, trocknet über Nacht und wird dann mit einer zweiten Schicht überkleistert. Die zweite Schicht haben wir modelliert, also mit den Finger Rillen eingezogen. Zwei Schichten reichen völlig für ein Wüstenterra und bei der Menge Fliesenkleber, den wir verwendet haben (ungefähr 10kg).

Für die farbliche Gestaltung haben wir uns für den 2in1 Buntlack seidenmatt von Max Bahr entschieden. Den gibts auf Wasserbasis, mit blauem Umweltengel und ist für Kinderspielzeug geeignet. Auf diese Merkmale sollte man unbedingt achten, damit er ungiftig ist.  Zur Basisfarbe haben wir noch Farbdosen in dunklem grau, rot und elfenbein gekauft, um damit Mischen zu können. Aufgetragen haben wir mit üblichen Lackpinseln in verschiedenen Ausführungen. (Unbedingt im Baummarkt fragen, ob sich die Farben miteinander mischen lassen. Das ist nicht selbstverständlich!) Die Streichaktion dauert eine Weile, aber man sollte sie in einem Rutsch ausführen, denn man kann nur den feuchten Lack noch nachbearbeiten. Ist er erst einmal getrocknet müsste man die Oberfläche anschleifen. Da die Hauptfarbe leer war haben wir den Boden mit der Farbe versiegelt, die noch übrig war - knallrot, aber da kommt ja eh Streu drüber.
Zum Schluss noch alles gut auslüften lassen - fertig!

Bei dem Anstrich mussten wir feststellen, dass es gar nicht so einfach ist Stein mit Styropor und Farbe nachzubilden, aber für erste Mal sind wir ganz zufrieden.


 

Materialliste:
6 OSB-Platten
Styroporplatten 100x50: 5 à 5cm
  Styroporplatten 100x50: 3 à 4cm
Styroporplatten 100x50: 1 à 3cm
4kg Styroporkleber
1 Cuttermesser mit Ersatzklingen
  1 Dose Montageschaum B2
2 Riffelstäbe Buche 8mm
div. Zahnstocher
3 Plastikblumentöpfe terrakotta
10kg Fliesenkleber
1000ml 2in1 Buntlack seidenmatt (der wurde auch leer!)
3 kleine Dosen Lack zum Mischen
1 Packung günstige Fliesen
div. Kabelbinder für Elektrik
2 Osram-Strahler 80° 60W
1 rote Glühbirne
2 x 10er Steckerleisten
2 x 60er Neonröhren und Leuchtmittel
3 Baustellenfassungen
5 Zeitschaltuhren und 2 Pflaster ;-)