rattige Integration

Wer sich einmal für Ratten als Haustiere entschieden hat, wird früher oder später vor dem Problem stehen eine oder mehrere Ratten in das bestehende Rudel einfügen zu müssen. Sei es, weil man sein Rudel vergrößern möchte, oder dass ein Kumpel her muss, weil sonst ein Ratz alleine wäre.

Aber nun wie? Ratten sind sehr revierbezogene Tiere und das gilt auch für das eigene Rudel. Trifft die Ratte auf ein rudelfremdes Tier wird es gnadenlos vertrieben und notfalls heftig bekämpft.

Aber keine Angst. Das passiert nur, wenn man die Ratten nicht vorher aneinander gewöhnt. Die sogenannte Integration ist an sich sehr einfach und erfordert nur etwas Geduld und Zeit.

 

Bevor die neue Ratte einzieht sollten entsprechende Vorbereitungen getroffen werden.

Es sollte ein Ersatzkäfig bereit stehen. Dieser wird benötigt um die neue Ratte ersteinmal unterzubringen. Sie wird darin einige Zeit verbringen müssen, daher sollte er artgerecht und interessant eingerichtet sein. Dort kann die Ratte sich an das neue Herrchen/Frauchen gewöhnen und die Quarantänezeit überstehen.

Ich kann aus Erfahrung sagen, wenn Ratten integriert werden sollen, dann sollte es immer mehrere sein. Eine Integration kann länger dauern und so muss die "Neue" diese Zeit nicht alleine verbringen. Der Einfachheit halber, werde ich aber hier von einer neuen Ratte sprechen.

 

Bei der Wahl des neuen Mitbewohners sollte man eine Ratte des gleichen Geschlechts wie die des Stammrudels wählen. Besteht bereits ein Weibchenrudel und es soll unbedingt ein Männchen her, dann muss es kastriert sein, um ungewünschte Vermehrung zu vermeiden. Weibchen sollte man nicht kastrieren. Es ist um vieles gefährlicher als bei Männchen und auch nicht jeder Tierarzt führt diese OP durch. Man sollte sich aber sehr genau überlegen, ob es wirklich sein muss einen Bock in eine Weibergruppe zu setzen. Wir haben drei Kastrationen durchführen lassen und haben uns entschlossen es nicht mehr zu tun. Man greift schon sehr stark in das Leben der Männchen ein. Desweiteren ist eine Narkose gefährlich für eine Ratte und kann zum Tod führen, wenn die Ratte zum Beisspiel einen unentdeckten Organfehler hat. Auch sind zwei unserer drei Kastraten sind schnell sehr fett geworden, was ihre Gesundheit belastete. Deswegen sollte eine Kastration nicht leichtfertig durchgeführt werden.

 

Ist der Neue eingezogen, sollte man ihm ein paar Tage Zeit geben, sich an die neue Umgebung und Dich zu gewöhnen. Auch ist es gut, wenn die Ratte bereits handzahm ist, bevor integriert wird.

 

Dann kann damit begonnen werden, die Ratten an den Geruch des anderen zu gewöhnen. Dazu sollte man aus beiden Käfigen Nistmaterial entfernen, das stark den Geruch der Ratten trägt. Dazu eignet sich Papier oder ein T-Shirt aus dem Schlafhäuschen oder die Hängematte. Eben von dem Ort, an dem sich die Ratten oft aufhalten und dort ihren Geruch verteilen. Man sollte da keine Scheu haben wirklich das am meisten vollgepinkelte Material zu benutzen, was man finden kann. Diese Geruchsträger werden dann ausgetauscht. Nach einigen Tagen das ganze wiederholen. Man kann auch schon einmal die Käfige nebeneinander stellen, damit die Ratten sich beschnüffeln und sehen können. Allerdings sollten sich die Ratten nicht durch die Gitter berühren können. Bei uns hat sowas schon zu angeknabberten Zehennägeln und blutigen Pfötchen geführt.

Hat man die Gerüche eine Weile durchmischt, kann man sich an die erste körperliche Begegnung wagen. Dabei sollte man bedenken, dass es bei Ratten keinen Welpenschutz für rudelfremde Ratten gibt. Man kann also nicht arglos einen Welpen zu einem erwachsenen Tier setzen. Ich konnte auch bisher nicht feststellen, welches Geschlecht sich leichter integrieren lässt. Das hängt wohl immer von dem Charakter der jeweiligen Ratten ab.

 

Die erste Zusammenführung sollte an einem neutralen Ort, dass heisst nicht im Auslaufgebiet oder auf dem Menschen stattfinden. Ansonsten wird die Ratte versuchen ihr Revier gegen den Eindringling zu verteidigen und das kann im Pullover vom Herrchen sehr schmerzhaft werden.

 

Als neutraler Ort eignet sich ein Tisch, ein Bett oder ein neuer Käfig. Auf jeden Fall sollte dieser Platz nicht allzu groß sein, damit die Ratten sich nicht aus dem Weg gehen können, und keine Versteckmöglichkeiten bieten. Flüchten die Ratten nämlich an einen Ort, den man nicht erreichen kann (zum Beispiel unter einen Schrank) dann besteht die Gefahr, dass die Ratten sich verletzen und der Halter nicht eingreifen kann. Bei diesen ersten Begegnungen muss der Mensch immer auf der Hut sein und seine Ratten genau beobachten. Es könnte sein, dass man eingreifen muss.

 

Die Ratten werden zuerst versuchen sich am After zu beschnuppern. Es kann auch vorkommen, dass die Ratten ersteinmal versuchen den unbekannten Ort zu verlassen, am liebsten über Mama oder Papa : ) Man muss da also immer versuchen ein Gleichgewicht zu finden. Nah genug dran, um eingreifen zu können, aber weit genug weg, um nicht als Fluchtmöglichkeit zu dienen.

Bei dem gegenseitigen Beschnuppern kann es heftiger zugehen. Schliesslich können die Ratten mit einander kämpfen. Grundsätzlich sind diese Rangeleien ein gutes Zeichen, denn die Ratten müssen ihre Rangfolge auskämpfen. Ohne die können sie nicht friedlich zusammenleben. Solche Rangeleien sollte man immer zulassen. Es ist alles erlaubt solange kein Blut fliesst. Die Ratten können versuchen sich gegenseitig zu übersteigen, vielleicht wird die eine treten oder beide werden sich aufrichten und "boxen". Wie gesagt, das ist alles normal und sollte zugelassen werden.

 

Die erste Begegnung sollte nicht zu lange dauern, da sie für beide Parteien sehr viel Stress bedeutet. Man kann die Dauer der Begegnungen immer etwas steigern, wenn man das Gefühl hat, dass die Ratten dies verkraften.

Sollte es doch zu heftigeren Kämpfen kommen oder man will die Ratten trennen, um die Begegnung zu beenden, empfiehlt es sich auf sich aufmerksam zu machen. Greift man unerwartet nach der Ratte kann es passieren, dass sie denkt, sie wird angegriffen und beisst. Deswegen erst Laut geben, dann zupacken : ) Muss schnell getrennt werden, muss man dieses Risiko auf sich nehmen oder einen Lederhandschuh bereithalten. Das empfiehlt sich auch bei der Integration und dem handling von bissigen Ratten.

 

Erst wenn die Begegnungen auf neutralem Gebiet funktionieren kann man beiden Gruppen gemeinsamen Auslauf geben. Auch dann kann es wieder zu Rangeleien kommen, denn im Regelfall findet der Auslauf ja auf dem Gebiet der alten Gruppe statt.

 

Eine weitere Steigerung ist das Zusammensetzen in dem Käfig, in dem später einmal alle Ratten wohnen sollen. Und auch dort wird es wieder zu Kämpfen kommen. Bei diesem Punkt sollte man einige Zeit verharren und die Dauer der Begegnung langsam steigern. Erst wenn die Ratten den Anschein machen sich zu verstehen, kann man sie über Nacht zusammen-, oder auch einmal alleine lassen. Wenn die Ratten sich nicht mehr jagen, zusammen kuscheln und/oder in einem Häuschen schlafen kann man davon ausgehen, dass die neuen akzeptiert sind.

Wie gesagt, Integration kann etwas dauern. Sie kann aber auch sehr schnell gehen, wenn man den Eindruck hat, dass man sich versteht. Grundsätzlich sollte man aber ein paar Wochen einplanen.

 

Keinesfalls sollte man die Ratten einfach in einen Käfig stopfen ("Blitzintegration"). Soetwas hat schon zu oft schwere Verletzungen oder den Tod von Ratten provoziert.

 

Wir haben nun schon mehr als ein Dutzent Integrationen hinter uns. Es erfordert Geduld, geht manchmal schneller, manchmal langsamer, aber man wird immer dafür belohnt, wenn man alle das erste mal zusammen kuscheln sieht. Die Mühe lohnt sich also allemal.