Zähmung

Ich hatte viele verschiedene Ansätze zur erfolgreichen Zähmung von Dschungaren im Internet gefunden. Man muss dann eben auswählen, was man selbst für das beste hält. Dschungaren sind von natur aus sehr leicht zu zähmen. Es gibt sogar Berichte, dass selbst wilde Exemplare furchtlos auf Menschen zugekommen sein sollen. Ich finde das bemerkenswert von einem Fluchttier, besonders wenn man den Grössenunterschied bedenkt.

 

Wir hatten uns für die Futtermethode entschieden: Solangen sie noch nicht ganz handzahm ist gibt es (grösstenteils) das Futter nur noch aus der Hand. Das soll bewirken, dass das Tier die Scheu vor der Hand verliert und sie mit einem positiven Gefühl verbindet. Natürlich kann man dem Hamster nicht ausschliesslich das Futter aus der Hand geben. Man ist ja nicht immer zu Hause wenn der Hamster wach ist.

 

Also wagten wir es und ich machte den Anfang. Etwas widerstrebend (wer schon mal von einer neuen Ratte blutig gebissen wurde weiss warum ich vorsichtig war) hielt ich Gina meine flache Hand hin, auf deren Fläche ich etwas Trockenfutter verteilt hatte. Ich hielt meine Hand so, dass der Hamster die Möglichkeit hatte auch von der Seite an das Futter zu gelangen, um nicht ganz auf meine Hand krabbeln zu müssen. Doch ich wurde überrascht. Nach kurzem Zögern, Schnuppern und einigen "Testbissen" war das Eis gebrochen und Gina stieg voller Vertrauen komplett auf meine Hand und frass in aller Ruhe. Man muss dazu sagen, dass sie mich nur mit einigen leichten "Futterbissen" peinigte, doch die sind so zärtlich, dass es nicht wirklich weh tut. Ich bewegte dann einfach den betreffenden Finger, um ihr zu zeigen, dass das Objekt der Begierde noch lebt. Ich hatte erwartet, dass sie zumindest dann erschrocken zurückweichen würde, aber weitgefehlt. Diese kleine Hamsterdame bewies ein Gottvertrauen, dass mich wirklich übrrascht hat.

 

Diese Prozedur haben wir morgens und abends wiederholt, immer wenn wir sie wach gesehen haben. Dabei habe ich auch gelegentlich mal die Hand ein paar Zentimeter angehoben, was sie nicht wirklich gestört hat.

Mittlerweile ist Gina so zahm, dass wir sie problemlos hochnehmen und streicheln können. Nach einer Weile zeigt sie uns dann mit ein paar zarten Bissen, dass sie wieder runter möchte. Eine ganz aussergewöhnliche kleine Dame.

 

Darüberhinaus stellten wir einige Eigenheiten an unserer Gina fest: Erstens, sie ist kein Hamster ;-) Gina hamsterte kein Futter. Sie frisst es direkt, oder lässt es liegen und holt es sich später. Zweitens, sie liebt ihr Laufrad und wird dadurch zum Freiluftschläfer. Der Umstand, dass die Kleine sich nicht zum Schlafen in eine ruhige Ecken zurückzog und sich vergrub, sondern einfach unter dem Laufrad schlief, machte uns schon einige Sorgen. So wurde sie zwangsläufig immer gestört, wenn wir an ihrem Käfg vorbei gingen. Und jahrelang tagsüber durch das Wohnzimmer schleichen und nur noch flüstern wollten wir auch nicht. Also schilderte ich unser Problemchen in einem Internetforum, wo man mich schnell beruhigte und mir noch ein paar Tipps mit auf den Weg gab. Wir sollten uns einfach ganz normal im Wohnzimmer bewegen, irgendwann würde sie lernen, dass dieser ungeschützte Platz kein guter Ort zum Schlafen ist und sich von selbst in ruhigere Ecken zurück ziehen.