Und woher krieg' ich 'nen Hamster?!??

Eines Dienstags im Juni wurde für die liebe Lilith anlässlich ihres neunzehnten Wiegenfestes eine Überaschungsparty veranstaltet. Der Gastgeber besass zwei Dschungarische Zwerghamster, die er auch gegen Abend aus dem Käfig nahm und den Anwesenden zum knuddeln überreichte. Da war es um mich geschehen.

Ich war fasziniert von diesen kleinen, knuddeligen Wusels, die süssen Stummelschwänzchen, die winzigen Pfötchen und die grossen schwarzen Knopfaugen. Sie waren so leicht und zart, aber trotzdem so wahnsinnig zutraulich. Sie krabbelten völlig angstfrei auf mir herum, liessen sich streicheln und verschwanden *schwupps* in meinem Ausschnitt :-)

 

Ich war so entzückt, ich musste auch solche kleinen Tierchen haben. Meinen Schatz musste ich erst gar nicht überzeugen, der war auch Feuer und Flamme. Schnell wurde Inventur gemacht, das fehlende Zubehör und Futter bestellt und noch etwas am Käfig gebastelt. Während mein Schatz sich handwerklich an dem neuen Hamsterheim betätigte, ging ich auf Rechereche im Internet und stiess sofort auf das erste Wunder: Hamster sind Einzelgänger. Das wusste ich zwar, aber ich dachte, gerade Dschungarische Zwerghamster seien Gruppentiere.Immerhin hatte ich auf der Party ja auch zwei kleine Hamster erlebt. Ich forschte noch ein wenig nach und wurde schliesslich überzeugt: Auch Dschungaren sind Einzelgänger, bilden aber gelegentlich Schlafgemeinschaften. Die Vergesselschaftung ist sehr schwierig bis unmöglich, nur Wurfgeschwister können eine begrenzte Zeit gemeinsam gehalten werden und würden sich früher oder später beissen. Das war für mich als Ex-Rattenhalterin schwer zu schlucken. "Einzelhaltung soll hier keine Tierquälerei sein? Braucht nicht jedes Lebewesen einen Sozialpartner, irgendwann?" Ich blieb zwar skeptisch, akzeptierte aber schlussendlich die Meinung langjähriger Hamsterhalter.

Nachdem ich mich etwas in Haltung, Verhalten und die Feinheiten der Hamsterpflege eingelesen hatte, das Futter bestellt und der Käfig fertig war, konnte ich mich an die zweite Hürde wenden "Woher krieg ich nun nen Hamster?" Aus alter Gewohnheit stand fest, dass ein Tier aus dem Zooladen überhaupt nicht in Frage kommt, das war auch zu meiner Rattenzeit tabu. Tiere sind nunmal keine Ware. Also versuchte ich mein Glück im Internet, um eine Notfallvermittlung oder private Vermittler ausfindig zu machen. Auch das war ich aus meiner Rattenzeit so gewöhnt, musste aber enttäuscht feststellen, dass es solch ein Netzwerk unter den Hamsterfreunden nicht gibt. Vielleicht sollte ich lieber froh sein, denn erst aus der Not zu vieler Notfalltiere entsteht ja ein gutes Netzwerk von Vermittlern. Darüber hinaus glaube ich, dass es bei Hamstern auch deswegen so wenig Notfalltiere gibt, weil die Tiere nunmal alleine gehalten werden und da kann es seltener zu Verwechslungen des Geschlechts oder generell zur Paarung kommen.

 

Also wandte ich mich an die Tierheime meiner näheren und ferneren Umgebung. Die Tierheime Koblenz, Andernach und Neuwied hatten zu der Zeit keine Dschungarischen Zwerghamster. Witzigerweise entschuldigte man sich bei mir dafür. Ich finde das ulkig, weil man doch froh sein könnte, dass es von diesen Tieren zur Zeit keine Notfälle gibt. Das habe ich den netten Mitarbeitern dann auch so gesagt. Durch meine Rattenhalterzeit weiss ich ja, wie schwer es ist Tiere zu vermitteln und das gerade Tiere aus dem Tierheim dort ihr halbes Leben verbringen müssen.

 

Im Tierheim Mainz wurde ich dann fündig. Dort sass ein Wurf von vier Weibchen und vier Männchen, die im April geboren waren. Das war genau das passende für uns, denn solche Jungtiere sind meistens leichter zu zähmen und ich traute mir als Anfängerin kein älteres Tier zu. Man sieht also, auch in Tierheimen gibt es Welpen, man muss nur fragen!

Am folgenden Montag fuhr ich also mit meinem Mitbewohner Christian mit dem Zug nach Mainz, bewaffnet mit einem kleinen, zugluftsicheren Transportkäfig, der ganz genau in meinen Rucksack passte. Das Tierheim Mainz ist super mit der Bahn und der Strassenbahn zu erreichen und übrigens absolut barrierefrei (Christian sitzt im Rollstuhl, deswegen war das für uns wichtig zu wissen). Das Kleintierhaus war völlig überfüllt mit Käfigen mit den verschiedensten Fellknäulen und ich seufzte leise bei dem Anblick der süssen Ratten. Leider musste ich die Hamster wecken, da es erst 14.00 war. Normalerweise soll man das nicht tun, weil es schlecht für ihre Gesundheit ist ihren Schlafrhythmus zu stören, aber die Tierheimmitarbeiterin sagte lächelnd, wer vermittelt werden will, muss das auch mal über sich ergehen lassen. Also öffnete ich den Käfig und durchwühlte Massen von Streu und Heu bis ich auf vier entzückende Hamsterdamen stiess. Man hatte mir per Mail mitgeteilt, dass sie wildfarben seien, doch in Wirklichkeit hatte ihr Fell die Farbe saphir (Bauch weiss, Rücken silbergrau mit einem dunkelgrauen Strich über der Wirbelsäule), wie ich später herausfand. Alle Dschungaren waren super lieb und erstaunlich ruhig in der Hand. Ich fischte nach zweien, setzte sie in einen leeren Transportkäfig und beäugte sie neugierig. Da diese beiden schon zauberhaft und ruhig in ihrem Wesen waren beschloss ich keine weiteren zu stören und suchte mir davon eine aus. Es war ein Weibchen und einfach zuckersüss. Schnell packte ich sie in meinen mitgebrachten Transporter und verstaute sie in meinem Rucksack. Dann noch schnell ein Handtuch drüber und zurück zur Anmeldung.

Wie ich es auch erwartet hatte musste ich meinen Personalausweis vorlegen und unterschrieb einen Schutzvertrag. Diese Verträge kannte ich schon von der Rattenvermittlung und wer sowas noch nie gemacht hat sollte sich keine Sorgen deswegen machen. Schutzverträge sind absolut notwendig und beinhalten zum Beispiel folgende Klauseln: Sollte der zukünftige Halter umziehen muss er die neue Adresse dem Tierheim umgehend mitteilen. Das Tier darf nicht weitervermittelt, zur Zucht oder als Schlangenfutter eingesetzt werden. Sollte das Tier sterben muss das dem Tierheim sofort mitgeteilt werden. Das Tierheim behält sich das Recht vor dem Halter unangemeldet Besuche abzustatten, um die artgerechte Haltung zu überprüfen usw. Diese Besuche kommen bei Kleintieren allerdings eher selten vor. Dazu wird noch eine Vertragsstrafe und eine Schutzgebühr festgelegt. All das wird vorgenommen um das Tier zu schützen und wer sich nichts vorzuwerfen hat kann diesen Vertrag sorglos unterschreiben. In meinem Fall betrug die Schutzgebühr fünf Euro. Man sollte dabei vielleicht anmerken, dass ein Dschungare aus dem Zooladen mit dieser Fellfarbe locker 12 - 15 Euro kosten kann. Alles ein gutes Argument sich für das Tierheim zu entscheiden.

Zu Hause angekommen setzte ich Gina vorsichtig in den frisch eingerichteten Käfig. Sie erkundete sofort neugierig die Umgebung, frass und rannte eine Weile in ihrem neuen Laufrad. Ihre Aufgewecktheit war für uns ein gutes Zeichen, denn es zeigte uns, dass sie den Transport gut überstanden hatte.

Dann liessen wir ihr zwei Tage Ruhe, damit sie sich erholen und eingewöhnen konnte. Am dritten Tag begannen wir mit der Zähmung.